Tausende protestieren in Köln und Bonn gegen sexualisierte Gewalt und digitale Übergriffe
Sibilla HartungTausende protestieren in Köln und Bonn gegen sexualisierte Gewalt und digitale Übergriffe
Tausende gingen am Wochenende in Köln und Bonn auf die Straße, um gegen sexualisierte Gewalt zu protestieren. Trotz kaltem und regnerischem Wetter demonstrierten am Samstag in Köln mehr als 5.000 Menschen, gefolgt von Hunderten im Bonner Stadtzentrum am Sonntag. Die Kundgebungen fanden vor dem Hintergrund einer wachsenden öffentlichen Debatte über digitale Gewalt und Forderungen nach strengeren gesetzlichen Schutzmaßnahmen für Frauen statt.
Auslöser für die Proteste waren anhaltende Diskussionen über Gewalt gegen Frauen, insbesondere nach einer Der-Spiegel-Untersuchung aus dem Jahr 2024. Der Bericht enthielt Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen, und brachte die Problematik digitaler Missbrauchsformen erneut in den Fokus. Als Reaktion darauf hat Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der die Erstellung und Verbreitung nicht autorisierter Nacktaufnahmen, KI-generierter Deepfakes und heimlicher Überwachung unter Strafe stellen soll. Der Entwurf, der 2026 noch in der Regierungsprüfung ist, sieht verschärfte Strafen und elektronische Überwachung für Täter vor.
In Köln versammelten sich bereits einen Tag vor der Bonner Demonstration über 5.000 Menschen. Viele trugen Schilder, darunter eines mit der Aufschrift "Girls just wanna be safe" – eine Anspielung auf Cindy Laupers "Girls Just Wanna Have Fun". Rednerinnen und Redner forderten immer wieder Männer auf, sich gegen frauenfeindliche Einstellungen zu stellen und Verantwortung für die Verhinderung von Gewalt zu übernehmen.
Die Bonner Kundgebung, organisiert von einem Bündnis aus Stadtratsparteien – Grünen, CDU, SPD und Volt –, zog über 500 Menschen auf den Marktplatz vor dem alten Rathaus. Politikerinnen der CDU-Frauen-Union forderten stärkere Schutzmaßnahmen für Frauen, stießen damit jedoch auf wenig Resonanz in der Menge. Tim Achtermeyer, Co-Vorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen, kritisierte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dafür, sich nicht stärker für schärfere Gesetze zum Schutz von Frauen einzusetzen.
Die Demonstrationen zeigten die weitverbreitete Unzufriedenheit mit dem Tempo der Rechtsreformen. Die von der Regierung vorgeschlagenen Maßnahmen, darunter strengere Strafen und elektronische Überwachung, befinden sich noch in der Diskussion. Gleichzeitig wächst der öffentliche Druck für schnelleres Handeln gegen sowohl physische als auch digitale Gewalt, die sich gegen Frauen richtet.






