Nitrendipin-Mangel in Deutschland hält an – Patienten suchen verzweifelt nach Alternativen
Gesa EigenwilligNitrendipin-Mangel in Deutschland hält an – Patienten suchen verzweifelt nach Alternativen
Lieferengpässe bei Nitrendipin halten in Deutschland an
Seit dem vergangenen Sommer herrscht in Deutschland ein anhaltender Mangel an Nitrendipin, einem weit verbreiteten Kalziumkanalblocker. Mittlerweile sind mehrere Hersteller betroffen, was Patienten und Ärzte nach Alternativen suchen lässt. Die Behörden haben das Medikament auf die Liste der anhaltenden Lieferengpässe gesetzt – bei einigen Darreichungsformen ist vorerst kein Ende in Sicht.
Die Engpässe begannen Mitte 2023, als der Hersteller Aristo erstmals Produktionsprobleme bei seinen 20-Milligramm-Nitrendipin-Tabletten meldete. Seither hat sich das Problem ausgeweitet. Bis März 2026 hatten drei große Anbieter – Ratiopharm, Hexal und Neuraxpharm – mit Lieferstörungen zu kämpfen. Auch die 10-Milligramm-Variante ist derzeit nicht verfügbar: Ratiopharm und Aliud Pharma erwarten, die Auslieferungen bis Ende März wiederaufnehmen zu können, während AbZ erst Ende Mai wieder lieferfähig sein wird.
Kalziumkanalblocker wie Nitrendipin wirken, indem sie den Kalziumeinstrom in die Zellen hemmen und so die Gefäße entspannen. Diese Wirkstoffgruppe lässt sich in drei Untergruppen einteilen: Nifedipin-Typ, Verapamil-Typ und Diltiazem-Typ. Allerdings sind sie nicht für alle Patienten geeignet – Menschen mit Herzinsuffizienz oder nach einem Herzinfarkt müssen sie vollständig meiden.
Angesichts des Nitrendipin-Mangels greifen Ärzte zunehmend auf Ersatzpräparate wie Amlodipin, Lercanidipin oder Felodipin zurück. Jedes dieser Alternativmedikamente hat jedoch unterschiedliche Einnahmevorschriften: Nitrendipin wird nach den Mahlzeiten eingenommen, Lercanidipin vor dem Essen und Amlodipin unabhängig von den Mahlzeiten. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beobachtet die Lage weiterhin, während sich die Lieferengpässe nun schon ins nächste Jahr ziehen.
Die anhaltende Knappheit zwingt Patienten und Ärzte, sich umzustellen und auf Ersatzpräparate mit unterschiedlichen Anwendungsregeln auszuweichen. Zwar planen einige Hersteller, ihre Lieferungen in den kommenden Monaten wieder aufzunehmen, bei anderen verzögert sich die Verfügbarkeit jedoch bis ins späte Frühjahr. Die BfArM-Lieferengpassliste bleibt aktiv – ein Zeichen für die größeren Herausforderungen bei der Arzneimittelversorgung im Land.