Neue Arbeitsschutzreform: Weniger Pflichten für KMU – doch steigt das Unfallrisiko?
Sibilla HartungNeue Arbeitsschutzreform: Weniger Pflichten für KMU – doch steigt das Unfallrisiko?
Deutschland hat seine Arbeitsschutzvorschriften reformiert, indem es die Schwellenwerte für die Bestellung von Sicherheitsbeauftragten angehoben hat. Durch die Änderung müssen nun weniger kleine Unternehmen einen eigenen Verantwortlichen benennen. Kritiker warnen, dass dies das Unfallrisiko erhöhen könnte, während Befürworter argumentieren, dass es die Kosten für Betriebe senkt.
Nach dem neuen Gesetz benötigen Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten keinen Sicherheitsbeauftragten mehr. Bisher lag die Grenze bei nur 20 Mitarbeitern. Für Betriebe mit bis zu 250 Beschäftigten ist nun nur noch ein Sicherheitsvertreter vorgeschrieben – es sei denn, sie sind in Hochrisikobranchen wie Baugewerbe, Landwirtschaft oder verarbeitendem Gewerbe tätig.
Die Reform zielt darauf ab, die finanzielle Belastung für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zu verringern. Schätzungen zufolge werden dadurch jährlich rund 135 Millionen Euro eingespart. Dennoch gibt es Bedenken hinsichtlich möglicher Sicherheitlücken, da 84 Prozent der befragten Unternehmen Sicherheitsbeauftragte weiterhin als unverzichtbar ansehen.
Aktuelle Statistiken zeigen, dass über die Hälfte der Arbeitsunfälle in Deutschland auf Stolpern, Rutschen oder Stürze zurückgehen. Weitere 22 Prozent sind auf Bedrohungen oder Gewalt zurückzuführen, während 21 Prozent mit Werkzeugen oder Maschinen in Verbindung stehen. Trotz dieser Zahlen sank die Gesamtzahl der meldepflichtigen Unfälle 2025 auf 730.598 – ein Rückgang um 24.000 im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch starben 335 Beschäftigte bei Arbeitsunfällen.
Oppositionsparteien wie die Grünen und die Linke kritisieren, dass eine verringerte Sicherheitsaufsicht die Beschäftigten einem höheren Risiko aussetze. Fachleute betonen, wie wichtig eine genaue Überwachung sei, um sicherzustellen, dass die Änderungen den Arbeitsschutz nicht schwächen.
Die Reform verschiebt das Gleichgewicht zwischen Kosteneinsparungen und Arbeitssicherheit. Unternehmen in gefährlichen Branchen unterliegen weiterhin strengeren Vorschriften, während andere nun weniger Verpflichtungen haben. Die langfristigen Auswirkungen auf die Unfallzahlen werden davon abhängen, wie sich die Betriebe an die neuen Anforderungen anpassen.






