31 March 2026, 00:28

Netflix-Doku über Haftbefehl zeigt den Aufstieg eines umstrittenen Rap-Poeten

Schwarze und weiße topografische Karte von Köditz, Deutschland, die geographische Merkmale wie Berge und Flüsse auf einem dunklen Hintergrund mit klassischer Serifenschrift anzeigt.

Netflix-Doku über Haftbefehl zeigt den Aufstieg eines umstrittenen Rap-Poeten

Netflix-Doku über Rapper Haftbefehl stürmt Streaming-Charts in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Der neue Netflix-Dokumentarfilm über den deutschen Rapper Haftbefehl führt seit einer Woche die Streaming-Charts in der Schweiz, Deutschland und Österreich an. Unter dem Titel "Babo – Die Haftbefehl-Story" beleuchtet der Film das turbulente Leben und den kulturellen Einfluss eines der umstrittensten, aber prägendsten Künstler Deutschlands.

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Geboren als Aykut Anhan, wuchs Haftbefehl im Frankfurter Problemviertel Gallus auf, wo er bereits mit 13 Jahren mit Kokain in Berührung kam. Der Film zeigt schonungslos seine frühen Kämpfe – eine Mischung aus rohem Archivmaterial und intimen Interviews. Dabei wird weder sein Aufstieg zum Star noch der persönliche Preis seiner Sucht beschönigt.

Doch Haftbefehls wahres Vermächtnis liegt in seiner Sprache. Seit den frühen 2010er-Jahren hat er den Jugendjargon in Deutschland geprägt, indem er arabische Begriffe wie "Wallah" und "Habibi" mit aggressivem Berliner Türken-Slang verschmolz. Dieser Hybridstil, den Rapper Marteria einst als "Ghetto-Esperanto" bezeichnete, verbreitete sich von Raptexten in den Alltag. Vor allem Stadtjugendliche in Metropolen wie Berlin übernahmen ihn, während soziale Medien ihn in die deutsche Popkultur trugen.

Haftbefehl war nicht der Erste, der Migrantendialekte in den deutschen Rap einbrachte. In den 2000ern popularisierte Bushido den "Türkisch-Deutsch"-Slang, später kommerzialisierte Capital Bra ihn weiter. Ende der 2010er folgte die "Arab-Trap"-Bewegung mit Künstlern wie Luciano und Samra, aber auch Hamburgs Fler und die vom UK geprägte Drill-Szene bauten auf Haftbefehls Vorarbeit auf. Selbst renommierte Medien wie "Die Zeit" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" analysierten seine Texte und nannten ihn einen "Poeten des modernen Deutschland".

Journalist Julian Theilen bezeichnet Haftbefehl als "die größte Sensation des deutschen Rap". Die Doku unterstreicht dies, indem sie seinen sprachlichen Einfluss mit drastischen Bildern seines Lebens verbindet – mächtig und zugleich zutiefst tragisch.

Der Netflix-Film zementiert Haftbefehls Status als prägende Figur des deutschen Rap. Sein Slang, längst in der Jugendkultur verankert, spiegelt die postmigrantische Identität des Landes wider. Gleichzeitig sorgt der schonungslose Blick auf seine Vergangenheit dafür, dass seine Geschichte weit über die Musikszene hinaus Gehör findet.

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