31 March 2026, 12:38

Lagardes Dreistufenplan: Wie die EZB auf Energieschocks durch den Iran-Konflikt reagiert

Plakat mit der Aufschrift "Unter dem Inflationsreduktionsgesetz von Präsident Biden" in schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund, unterteilt in zwei Abschnitte: Der obere Abschnitt erläutert die Auswirkungen des Gesetzes und der untere Abschnitt zeigt graphische Darstellungen in Blau und Grün.

Lagardes Dreistufenplan: Wie die EZB auf Energieschocks durch den Iran-Konflikt reagiert

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat einen dreistufigen Plan zur Bewältigung möglicher Energieschocks im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt vorgelegt. Die Strategie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Ölpreise die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel überschritten haben und sich damit den Extremwerten in den Risikomodellen der Europäischen Zentralbank (EZB) annähern. Lagardes Ansatz wird künftig die Entscheidungsfindung der Notenbank in jeder Sitzung leiten.

Im ersten Schritt plant die EZB, den Schock zu ignorieren, falls dieser nur kurzfristig und begrenzt ausfällt. In einem solchen Fall würde die Zentralbank auf eine Reaktion verzichten, da Verzögerungen in der Geldpolitik mögliche Gegenmaßnahmen unwirksam machen könnten. Diese zurückhaltende Haltung soll unnötige Anpassungen vermeiden, wenn Preissprünge lediglich vorübergehend sind.

Die zweite Stufe sieht eine dosierte Reaktion vor, falls der Schock die Inflation zwar über das Ziel hinaustreibt, aber nicht nachhaltig. Hier würde die EZB die Leitzinsen gezielt anpassen, um die Teuerungsrate wieder in den Griff zu bekommen – ohne jedoch überzureagieren. Dieser ausgewogene Ansatz soll Stabilität mit der nötigen Flexibilität verbinden.

Die dritte und entschlossenste Option greift, wenn die Inflation Gefahr läuft, dauerhaft vom Ziel abzuweichen. In diesem Szenario würde die EZB konsequent und mit Nachdruck gegensteuern, um die Abweichung zu korrigieren. Sämtliche Prognosen basieren auf den aktuellen Leitzinsen als Ausgangsbasis; Anpassungen wären nur in Extremsituationen vorgesehen.

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Laut dem ungünstigsten Szenario der EZB – das den aktuellen Markterwartungen am nächsten kommt – würde die Wirtschaft der Eurozone 2026 zum Stillstand kommen, bevor sich bis Ende 2028 eine langsame Erholung abzeichnet. Ein schwerwiegendes Szenario sagt sogar eine leichte Rezession voraus, falls sich die Energieschocks weiter verschärfen. Die aktuellen Ölpreise liegen nahe dem 95. Perzentil der EZB-Prognosen und deuten damit auf eine erhebliche Störung hin.

Die Markterwartungen gehen weit auseinander: Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) rechnet damit, dass die Preise bis Ende 2026 auf 70 US-Dollar und bis Mitte 2027 auf 65 US-Dollar fallen. Die Raiffeisen Bank International (RBI) warnt hingegen vor kurzfristigen Spitzenwerten von 150 bis 170 US-Dollar, während Goldman Sachs für 2026 einen Durchschnittspreis von 85 US-Dollar prognostiziert. Die EZB selbst hat noch keine eigenen Ölpreisprognosen für Dezember 2025 veröffentlicht.

Lagardes Strategie bietet den Währungshütern drei klare Handlungsoptionen, abhängig davon, wie sich die Energiekrise entwickelt. Die Entscheidungen werden von Sitzung zu Sitzung getroffen – die Bandbreite reicht von Untätigkeit bis zu entschlossenem Eingreifen. Die nächsten Schritte der EZB hängen davon ab, ob die Inflation im Zaum bleibt oder außer Kontrolle gerät.

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