Kölner Stadtarchiv: 15 Jahre nach dem Einsturz bleibt die Wunde offen
Gesa EigenwilligKölner Stadtarchiv: 15 Jahre nach dem Einsturz bleibt die Wunde offen
Fünfzehn Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs während des U-Bahn-Baus bleibt die Stelle eine schmerzhafte Mahnung an die Katastrophe. Der Zusammenbruch im Jahr 2009 vernichtete 1,7 Millionen historische Dokumente und forderte zwei Menschenleben – doch erst jetzt ist die juristische Aufarbeitung endgültig beendet.
Am 3. März 2009 stürzte das Archiv ein, als Arbeiter Tunnel für die neue Nord-Süd-U-Bahn-Linie gruben. Mangelnde Aufsicht, gefälschte Bauberichte und sogar gestohlene Stahlträger trugen zur Katastrophe bei. Zwei junge Männer in benachbarten Häusern starben, als der Boden unter ihnen nachgab.
Die Ermittlungen zogen sich jahrelang hin – mit Verurteilungen, Freisprüchen und Berufungen. Bis 2024 wurde das Verfahren schließlich vollständig eingestellt. Die Baustelle hingegen blieb wie eingefroren – erst 2023 wurde sie teilweise mit Beton verfüllt.
Die Aktivistengruppe ArchivKomplex fordert seit 2011 Mitsprache bei den Planungen für die Neugestaltung des Geländes und eine würdige Gedenkstätte. 2022 wurde Reinhard Matz' Kunstwerk "Klagelied in acht Tafeln" an der Absperrung angebracht – eine Darstellung der Folgen des Einsturzes.
Die U-Bahn-Linie, einmal fertiggestellt, wird Fahrgästen acht Minuten sparen – genau die Zeit, die das Archiv brauchte, um unter der Stadt zu verschwinden.
In wenigen Augenblicken löschte der Einsturz tausend Jahre Kölner Geschichte. Ohne juristische Aufarbeitung und mit einer immer noch unvollendeten Baustelle bleiben die Narben der Katastrophe sichtbar. Nun steht die Stadt vor der Frage, wie sie des Verlorenen gedenken – und wie es weitergehen soll.






