Journalist:innen in Ostdeutschland kämpfen gegen wachsende Gewalt und Drohungen von Rechts
Senta ScheelReporter ohne Grenzen verurteilt 'Feindseligkeit' im Osten - Journalist:innen in Ostdeutschland kämpfen gegen wachsende Gewalt und Drohungen von Rechts
Journalist:innen in Ostdeutschland sehen sich wachsender Bedrohung ausgesetzt – besonders bei der Berichterstattung über rechtsextreme Aktivitäten. Zwei Reporter wurden im vergangenen August in Berlin angegriffen, nachdem sie über den Christopher-Street-Day-Umzug in Bautzen berichtet hatten. Die Gefahren sind mittlerweile so groß, dass viele Medienvertreter:innen ohne Sicherheitsvorkehrungen nicht mehr arbeiten wollen.
Ein aktueller Bericht von Reporter ohne Grenzen (ROG) zeigt die extreme Feindseligkeit, der lokale Journalist:innen in Sachsen und Thüringen ausgesetzt sind. Viele wurden Opfer körperlicher Gewalt, erhielten Todesdrohungen oder erlebten offene Aggression – vor allem, wenn sie über rechtsextreme Gruppen recherchieren. Allein 2022 dokumentierte ROG 15 bestätigte Angriffe auf Medienvertreter:innen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Besonders betroffen ist Sachsen mit neun Vorfällen – damit liegt das Bundesland auf Platz zwei hinter Berlin, wo es 20 Angriffe gab. In Sachsen-Anhalt wurden fünf Übergriffe registriert, in Thüringen einer. Die Lage hat sich so zugespitzt, dass Reporter:innen, die über die rechtsextremen "Montagsproteste" berichten, mittlerweile auf privaten Sicherheitsdienst oder Polizeischutz angewiesen sind.
Im September ging die Polizei gegen mutmaßliche Mitglieder der rechtsextremen Gruppe "Deutsche Jugend voran" vor und durchsuchte acht Wohnungen. Dennoch zögern viele Journalist:innen, ohne garantierten Schutz über solche Ereignisse zu berichten. Eine Umfrage ergab, dass zwei Drittel der Befragten bereits körperliche Angriffe erlitten oder gewalttätige Drohungen erhalten haben.
Die Risiken für Medienvertreter:innen in Ostdeutschland nehmen weiter zu. Ohne bessere Schutzmaßnahmen könnte die Bereitschaft sinken, über rechtsextreme Strukturen zu berichten. Behörden und Medienorganisationen stehen nun unter Druck, die eskalierende Bedrohungslage für die Berichterstatter:innen zu entschärfen.






