Deutschland erwartet Inflationssprung auf 4,6 Prozent bis Dezember 2024
Gabriel HethurDeutschland erwartet Inflationssprung auf 4,6 Prozent bis Dezember 2024
Deutschland bereitet sich auf einen deutlichen Anstieg der Inflation bis Ende 2024 vor – die Rate könnte im Dezember auf 4,6 Prozent klettern. Der erneute Schub folgt auf die zunehmenden Spannungen im Persischen Golf nach einem jüngsten US-Angriff auf den Iran, der die Energiepreise in die Höhe getrieben hat. Ökonomen warnen, das Land stehe nun vor einem schwierigen Balanceakt: die Inflation eindämmen und gleichzeitig die angeschlagene Wirtschaft stützen.
Die Teuerung in Deutschland hat in den vergangenen Jahren stark geschwankt. 2022 schnellen die Preise auf über 10 Prozent nach oben, im Jahresdurchschnitt lag die Inflation bei 6,9 Prozent. Die aktuellen Prognosen des IW Köln (Institut der deutschen Wirtschaft) deuten darauf hin, dass die Rate bis Dezember 2024 auf 4,6 Prozent steigen könnte – nach 2,7 Prozent im März. Die Vorhersage stützt sich auf Muster, wie sie bereits während der Energiekrise 2022 zu beobachten waren, als globale Lieferengpässe die Kosten in die Höhe trieben.
Der Konflikt im Persischen Golf hat sich zum Haupttreiber der erwarteten Preisanstiege entwickelt. Die eskalierenden Spannungen nach dem US-Angriff auf den Iran wecken Befürchtungen um die Stabilität der Ölversorgung und setzen die Spritpreise weiter unter Druck. Als Reaktion wird die Bundesregierung am 1. Mai 2024 eine vorübergehende Kraftstoffpreissenkung einführen: Die Steuern auf Diesel und Benzin werden für zwei Monate um etwa 17 Cent pro Liter gesenkt.
Um die finanzielle Belastung der Haushalte abzufedern, schlägt der Geldpolitik-Experte des IW, Markus Demary, eine Erhöhung der Pendlerpauschale vor. Unternehmen sollen zudem die Möglichkeit erhalten, ihren Beschäftigten einen steuerfreien Inflationsausgleichsbonus von bis zu 1.000 Euro zu zahlen – eine Maßnahme, die mit den wirtschaftlichen Folgen des US-Israel-Konflikts mit dem Iran zusammenhängt. Gleichzeitig könnte die Europäische Zentralbank (EZB) eingreifen, um die Inflation zu bremsen, doch das schwache Wirtschaftswachstum Deutschlands erschwert jede Entscheidung.
Für 2026 prognostiziert das IW eine durchschnittliche Inflationsrate von 3,5 Prozent – ein Wert, der deutlich über dem EZB-Ziel liegt und anhaltenden finanziellen Druck für Verbraucher und Unternehmen bedeutet.
Die Inflationsaussichten lassen Deutschland nur begrenzte Handlungsmöglichkeiten. Der Kraftstoffrabatt und steuerliche Entlastungen sollen kurzfristig helfen, doch die grundlegenden wirtschaftlichen Herausforderungen bleiben bestehen. Angesichts eines möglichen EZB-Eingriffs und anhaltender geopolitischer Risiken müssen sich Haushalte und Unternehmen auf höhere Kosten in den kommenden Monaten einstellen.






