Berlin testet umstrittene KI-Überwachung an Regierungsgebäuden

Gabriel Hethur
Gabriel Hethur
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Zwei Überwachungskameras, die an der Seite eines Gebäudes montiert sind, mit einer Glaswand im Vordergrund und einem klaren blauen Himmel im Hintergrund.Gabriel Hethur

AI-Überwachungstest im Rathaus und Parlament - Berlin testet umstrittene KI-Überwachung an Regierungsgebäuden

Berlin testet KI-gestützte Videoüberwachung an Regierungseinrichtungen

Berlin bereitet sich auf einen Testlauf von KI-basierter Videoüberwachung an zentralen Regierungsstandorten vor. Die Pilotphase umfasst das Rote Rathaus, das Abgeordnetenhaus sowie das Innenministerium. Nach Angaben der Behörden soll das System die Sicherheitskräfte entlasten, indem es automatisch ungewöhnliches Verhalten erkennt.

Die Pläne stoßen bereits auf Kritik. Niklas Schrader, Abgeordnete der Linken, wirft der Regierung vor, es habe keine ausreichende Abstimmung gegeben. Zudem warnt er vor möglichen Verstößen gegen Grundrechte.

Das KI-System analysiert in Echtzeit die Kamerabilder rund um politische Gebäude, um verdächtige Aktivitäten zu identifizieren. Bei Auffälligkeiten werden die Sicherheitskräfte alarmiert. Die Behörden betonen, dass keine personenbezogenen Daten, biometrischen Merkmale oder Identitäten gespeichert werden – alle Aufnahmen bleiben anonymisiert.

Aktuell sind etwa 400 speziell ausgebildete Beamte für die Sicherheit an diesen Standorten zuständig. Die Verantwortlichen bezeichnen die aktuelle Personalabhängigkeit als langfristig nicht tragbar. Der KI-Test soll diese Belastung verringern, insbesondere für Institutionen und diplomatische Vertretungen mit hohem Bedrohungsrisiko.

Bei Erfolg könnte die Technologie auf Botschaften und andere sensible Orte ausgeweitet werden. Konkrete Zahlen zu weiteren Standorten für eine spätere Einführung wurden jedoch noch nicht genannt.

Schrader lehnt die Pläne ab und spricht von einem unzulässigen Eingriff. Er fordert eine umfassende parlamentarische Debatte über den Vorschlag. Seine Bedenken gelten vor allem möglichen Einschränkungen der Rechte von Abgeordneten und Besuchern von Regierungsgebäuden.

Das Pilotprojekt soll prüfen, ob KI die Sicherheit verbessern kann, ohne die Privatsphäre zu beeinträchtigen. Sollte das System flächendeckend eingeführt werden, könnte es die Überwachung von Hochrisikostandorten in Berlin grundlegend verändern. Vorerst bleibt der Test jedoch auf drei zentrale Regierungsgebäude beschränkt.