ARD testet 30-minütige Tagesschau – kann mehr Länge die Quoten retten?
Sibilla HartungARD testet 30-minütige Tagesschau – kann mehr Länge die Quoten retten?
Die ARD testet eine längere Version ihrer Hauptnachrichtensendung Tagesschau und verlängert die Sendedauer auf 30 Minuten zur Hauptsendezeit. Der Versuch startet mit der Montagabend-Ausgabe um 20:15 Uhr und zielt darauf ab, Nachrichten alltagsrelevanter zu gestalten. Doch die Entscheidung hat unter Journalisten und Kritikern eine Debatte über die Wirksamkeit ausgelöst.
Die Idee hinter dem erweiterten Format stammt von WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn. Er ist überzeugt, dass eine längere Sendedauer globale Ereignisse besser mit persönlichen Erfahrungen verknüpfen und die Nachrichten so ansprechender machen kann. Die ARD erhofft sich von der Änderung zudem mehr Vertrauen in die Medien und eine größere Zuschauerzahl.
In den vergangenen fünf Jahren verzeichnete die klassische 15-minütige Tagesschau einen Rückgang der Einschaltquoten – von durchschnittlich 7,5 Millionen auf etwa 6,2 Millionen Zuschauer. Streaming-Dienste und eine alternde Zielgruppe haben zu diesem Trend beigetragen. Gleichzeitig blieben längere Formate wie die Tagesthemen (20–30 Minuten) stabil oder verzeichneten sogar leichte Zuwächse und erreichen 4 bis 5 Millionen Zuschauer. Studien deuten darauf hin, dass jüngere Zuschauer tiefgehende, ausführlichere Berichterstattung bevorzugen.
Doch nicht alle unterstützen die Neuerung. Einige Journalisten hinterfragen, ob eine längere Sendedauer der richtige Ansatz ist, und betonen, dass die Qualität – nicht die Länge – im Vordergrund stehen sollte. Anna Mayr von der Zeit kritisierte den Schritt und argumentierte, die Tagesschau brauche bessere Inhalte statt mehr Zeit. Andere befürchten, dass ein 30-Minuten-Slot den gewohnten Primetime-Ablauf der ARD stören könnte, wo 15 Minuten für Nachrichten lange als ausreichend galten.
Da die Entscheidungsprozesse der ARD bekanntlich langsam und komplex sind, könnte es einige Zeit dauern, bis ein endgültiges Urteil über das längere Format gefällt wird. Zunächst wird der Probebetrieb zeigen, ob die erweiterte Tagesschau dauerhaft eingeführt wird.
Der Test einer 30-minütigen Tagesschau markiert einen Wandel in der Nachrichtenvermittlung der ARD, der sowohl auf Relevanz als auch auf Zuschauerbindung abzielt. Bei Erfolg könnte er den Trend sinkender Einschaltquoten – insbesondere bei jüngeren Zuschauern – umkehren. Eine endgültige Entscheidung steht jedoch noch aus, während der Sender Rückmeldungen und Quoten auswertet.






