Apotheken kämpfen mit teuren Rezepten – wie Vorfinanzierung die Liquidität rettet
Sibilla HartungApotheken kämpfen mit teuren Rezepten – wie Vorfinanzierung die Liquidität rettet
Deutsche Apotheken stehen unter wachsendem Finanzdruck, da teure Rezepte stark zunehmen. Um die Liquidität zu sichern, greifen immer mehr Apotheken auf vorzeitige Auszahlungen ihrer Rezeptforderungen zurück. Dieser Trend hat die Abrechnungsstellen dazu veranlasst, ihre Vorfinanzierungsangebote mit flexiblen Konditionen auszubauen.
Seit 2020 hat sich der Anteil kostspieliger Rezepte in deutschen Apotheken verdoppelt – von unter 20 Prozent auf bis zu 40 Prozent des Gesamtvolumens im Jahr 2025. Treiber sind die gestiegene Nachfrage nach teuren Spezialmedikamenten wie Onkologika und Gentherapien sowie inflationsbedingte Preiserhöhungen und Lieferkettenstörungen. Auch personalisierte Medizin und Privatrezepte tragen zu dieser Entwicklung bei.
Abrechnungsstellen bieten maßgeschneiderte Finanzierungslösungen an, um Apotheken vor Liquiditätsengpässen zu bewahren. Das Paket FlexZahlungBusiness von ARZ Haan etwa erhebt eine tägliche Gebühr von 0,02 Prozent für vorzeitige Zahlungen, ohne Überweisungskosten und mit einer festen Monatsgebühr von 115 Euro. Apotheken können Überweisungen selbst initiieren und stellen so sicher, dass nur verfügbare Mittel freigegeben werden – Überziehungen werden vermieden.
Andere Anbieter wie Noventi strukturieren ihre Gebühren nach einem Festpreis zuzüglich eines variablen Aufschlags, der sich am Ein-Monats-Euribor der Bundesbank orientiert. Diese Modelle unterbieten oft die Zinsen klassischer Bankkredite und verringern das Risiko, dass Apotheken in Schuldenfallen geraten. Finanzierungsvolumen und Laufzeit werden individuell an die betrieblichen Bedürfnisse jeder Apotheke angepasst.
Vorzeitige Auszahlungsdienste entwickeln sich zu einem zentralen Instrument für Apotheken im Kampf gegen steigende Kosten. Durch niedrigere Sätze und flexible Konditionen streben die Abrechnungsstellen an, die Liquidität zu stabilisieren, ohne die Betriebe in unhaltbare Kreditabhängigkeiten zu drängen. Ein Selbstbedienungsmodul ermöglicht es den Apotheken zudem, Überweisungen passgenau an den täglichen Geschäftsablauf anzupassen.






