Anna Netrebkos umstrittene Rückkehr an die Berliner Staatsoper polarisiert
Sibilla HartungAnna Netrebkos umstrittene Rückkehr an die Berliner Staatsoper polarisiert
An der Berliner Staatsoper Unter den Linden feierte am Wochenende eine mutige Neuinszenierung von Un ballo in maschera Premiere. Die Aufführung stand im Zeichen der Sopranistin Anna Netrebko, deren Rückkehr auf die deutsche Bühne sowohl Begeisterung als auch Kontroversen auslöste. Vor dem Opernhaus versammelten sich Demonstranten, um gegen ihren Auftritt zu protestieren.
Die von Rafael R. Villalobos inszenierte Oper interpretierte Verdis Klassiker mit modernen Einflüssen neu. Szenen integrierten Elemente der queeren Ballroom-Kultur sowie Bezüge zur AIDS-Krise und verliehen der Produktion so eine frische, zeitgenössische Note. Auf der Bühne übernahm Netrebko die Rolle der Amelia im Rahmen des Festspielprogramms der Staatsoper.
Im Theater erntete die Aufführung starken Applaus für Orchester und Sänger. Netrebko selbst wurde von großen Teilen des Publikums begeistert gefeiert. Doch der Abend verlief nicht ohne Widerspruch – einige Zuschauer buhten, was auf anhaltende Ablehnung der Star-Sängerin hindeutete.
Vor dem Opernhaus demonstrierten etwa 50 Protestierende mit ukrainischen Fahnen. Rufe wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat" hallten durch die Luft. Kritiker werfen Netrebko seit Langem Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin vor und verweisen auf ihre früheren Auftritte bei prorussischen Veranstaltungen in Moskau.
Die Intendantin der Staatsoper, Elisabeth Sobotka, nahm vor der Premiere zu den Vorwürfen Stellung. Sie betonte, Netrebko habe sich öffentlich von Russland distanziert und sei seit dem Überfall auf die Ukraine nicht dorthin zurückgekehrt. Die Sopranistin, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, trat in Berlin bereits mehrfach auf, darunter auch an der Staatsoper.
Die Premiere spiegelte die gespaltene öffentliche Meinung über Netrebbkos Präsenz auf der deutschen Bühne wider. Während viele Zuschauer ihre Darstellung begeistert honorierten, machten andere ihre Ablehnung deutlich. Die Inszenierung selbst, die historisches Drama mit modernen Themen verbindet, bleibt Teil des Spielplans des Opernhauses.






