Wie der Flaggenstreit die Weimarer Republik bis 1933 spaltete
Ein erbitterter Streit um die deutsche Nationalflagge vertiefte in den 1920er-Jahren die Spaltung in der Weimarer Republik. Der Konflikt spaltete die politischen Lager: Die Rechte unterstützte die Farben Schwarz-Weiß-Rot, während Linke und Mitte für Schwarz-Rot-Gold eintraten. Alle Versuche eines Kompromisses scheiterten, sodass die Nation gespalten blieb.
Bis zur Präsidentschaftswahl 1925 hatte sich der Flaggenstreit zu zwei unverrückbaren Blöcken verhärtet. Der rechtsextreme „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“ stand dem „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ der Linken und der Mitte gegenüber. Die Polarisierung spiegelte die tiefer liegenden politischen Spannungen der Republik wider.
Im Mai 1926 erließ Reichspräsident Paul von Hindenburg die Zweite Flaggenverordnung, um den Konflikt zu entschärfen. Das Dekret schrieb vor, dass deutsche diplomatische und konsularische Vertretungen außerhalb Europas sowohl die Nationalfarben (Schwarz-Rot-Gold) als auch die Handelsflagge (Schwarz-Weiß-Rot) zeigen mussten. Doch dieser duale Ansatz unterstrich nur die anhaltende Zerrissenheit.
Zuvor hatte die Nationalversammlung einen Kompromissvorschlag unterbreitet: Schwarz-Rot-Gold als Nationalflagge, während die Handelsflagge beide Farbkombinationen vereinen sollte. Doch auch dieser Vorschlag konnte den Streit nicht beilegen. Selbst der Reichskunstwart Edwin Redslob scheiterte mit dem Versuch, die Symbole zu einen – trotz zahlreicher Entwürfe gelang es nicht, eine akzeptable „Reichsflagge“ zu schaffen.
Am 9. Mai wand sich Hindenburg in einem offenen Brief direkt an die Öffentlichkeit und forderte eine verfassungskonforme Lösung, um die Lager zu versöhnen. Doch auch dieser Appell änderte wenig. Der Konflikt schwelte bis 1933 weiter und blieb ein beständiges Symbol für die inneren Zerwürfnisse des Weimarer Deutschlands.
Der Flaggenstreit blieb bis zum Ende der Republik 1933 ungelöst und stand exemplarisch für die tiefgreifenden politischen Brüche der Zeit. Trotz mehrfacher Vermittlungsversuche – durch Verordnungen, künstlerische Entwürfe und präsidiale Appelle – fand die Nation nie zu einer Einigung. Die Frage blieb bis zum Untergang der Republik ungelöst.






