Warum Deutschland nur bei der WM seine Flagge zeigt – und sonst schweigt
Sibilla HartungWarum Deutschland nur bei der WM seine Flagge zeigt – und sonst schweigt
Deutschland und der schwierige Umgang mit nationalem Stolz
Während die Fußball-Weltmeisterschaft landesweit patriotische Begeisterung entfacht, werden andere nationale Feiertage oft mit wenig Elan begangen. Das Thema bleibt eine politisch umstrittene Frage in ganz Deutschland.
Alle vier Jahre verwandelt die WM die deutschen Straßen. Händler füllen ihre Regale mit Flaggen, Schals und anderem Fan-Merchandise, während die Anhänger die Nationalmannschaft feiern. Selbst private Gesten – wie ein Sohn, der das Familienauto mit Deutschlandfahnen schmückt – werden dann zum alltäglichen Bild.
Doch außerhalb des Fußballs ist offener Patriotismus selten. Nationale Feiertage werden kaum öffentlich zelebriert, und Politiker bewegen sich oft auf unsicherem Terrain. 2013 konfiszierte Angela Merkel bei einer Wahlparty eine Deutschlandfahne, die ein Parteikollege geschwenkt hatte. Zudem mied sie in ihren Reden konsequent Begriffe wie „Vaterland“ oder „deutsches Volk“.
Eine Arte-Dokumentation brachte den Fußballpatriotismus einst mit dem Aufstieg von Bewegungen wie Pegida und der AfD in Verbindung. Gleichzeitig betrachten viele in der linksliberalen Elite öffentliche Bekundungen nationaler Verbundenheit mit Skepsis – zu sehr erinnern sie an ethnisch geprägten Nationalismus.
Der Kontrast zwischen Fußballbegeisterung und alltäglicher Zurückhaltung zeigt Deutschlands gespaltenes Verhältnis zum Patriotismus. Öffentliche Ausdrucksformen nationaler Identität bleiben politisch aufgeladen, geprägt von historischen Sensibilitäten und unterschiedlichen Deutungen von Zugehörigkeit. Die Debatte darüber, was es bedeutet, Liebe zum eigenen Land zu zeigen, dauert an.






