Sachsens Lehrer:innen ächzen unter extremen Überstunden – doch der Unterricht ist nicht das Problem
Sibilla HartungSachsens Lehrer:innen ächzen unter extremen Überstunden – doch der Unterricht ist nicht das Problem
Eine aktuelle Umfrage in Sachsen hat gezeigt, dass Überstunden unter Lehrkräften und Schulleitungen weit verbreitet sind. Fast 70 Prozent der Vollzeitbeschäftigten überschreiten während der Unterrichtswochen ihre vertraglich vereinbarten Arbeitszeiten, bei Teilzeitkräften sind es drei Viertel. Die Ergebnisse unterstreichen die seit Langem bekannten Belastungen im Bildungssystem – viele Befragte berichten von hohen Arbeitsvolumina, die weit über den eigentlichen Unterrichtsaufgaben liegen.
Laut der Erhebung arbeiten Schulleiter:innen im Schnitt 45 Stunden pro Woche – deutlich mehr als vertraglich vorgesehen. Fast jede:r achte Lehrer:in leistet wöchentlich acht oder mehr zusätzliche Stunden. Doch der Unterricht selbst ist nicht die Hauptbelastungsquelle: Organisatorische Anforderungen, knappe Ressourcen, unklare Abläufe und Zusatzaufgaben setzen das Personal am stärksten zu.
Der Sächsische Lehrerverband bezeichnete das System bereits seit Jahren als im 'roten Bereich' operierend. Als Reaktion strich die Bildungsministerin die Pläne für eine verpflichtende 'Vorbereitungsstunde' und verwies auf die bestehende Arbeitsbelastung. Die grüne Landtagsabgeordnete Christin Melcher forderte die Ministerin auf, die Drucksituation für Führungskräfte zu entlasten und den Teufelskreis der Überlastung zu durchbrechen.
Ab 2026 sollen freiwillige Überstunden in Arbeitszeitkonten erfasst werden. Ein Fachgremium, das 'Expertinnen- und Expertengremium zur Konkretisierung der Arbeitszeitberechnung', wird die Umfrageergebnisse am 4. November auswerten, um weitere Schritte zu prüfen.
Die Studie macht deutlich, wie anhaltende Herausforderungen in Sachsens Schulen – etwa bürokratische Hürden und Ressourcenmangel – zu überhöhten Arbeitszeiten führen. Mit Reformen wie den geplanten Arbeitszeitkonten könnte die anstehende Fachbewertung Wege für künftige Lösungsansätze aufzeigen.
