Sachsen stoppt umstrittenes Mantrailer-Programm nach jahrelanger Kritik an Polizeihunden
Gesa EigenwilligSachsen stoppt umstrittenes Mantrailer-Programm nach jahrelanger Kritik an Polizeihunden
Die sächsische Polizei hat ihr einst als Durchbruch in der Geruchsspuren-Suche gefeiertes Ausbildungsprogramm für Mantrailer-Hunde eingestellt. Der Schritt folgt auf jahrelange Kontroversen um eine Doktorarbeit des Polizeidirektors Leif Woidtke, dessen Behauptungen über die Fähigkeiten der Hunde massiver Kritik ausgesetzt waren. Rechtliche Urteile und wissenschaftliche Vorbehalte haben nun eine vollständige Überprüfung der Studie erzwungen.
Das Mantrailer-Programm begann als PR-Erfolg für die sächsische Polizei: In seiner im Jahr 2000 veröffentlichten Dissertation behauptete Woidtke, die Hunde könnten individuelle Geruchsspuren über Wochen oder sogar Monate verfolgen. Er deutete sogar an, sie seien in der Lage, DNA-Spuren nachzuweisen. Doch bis 2020 war die Glaubwürdigkeit der Studie zusammengebrochen, nachdem ein Fachjournal gravierende Mängel aufgedeckt hatte.
Der Umweltchemiker Kai-Uwe Goss, ein langjähriger Kritiker der Forschung, warf der Arbeit statistische Fehler vor. Die Gegenwehr verstärkte sich, als das Bundesverfassungsgericht urteilte, dass Beweismittel von Mantrailer-Hunden gegen verfassungsmäßige Rechte verstoßen und daher in Strafverfahren unzulässig seien. In der Folge wurden die verbliebenen Diensthunde umgehend aus den Ermittlungen zurückgezogen. Die Universität Leipzig prüft nun Woidtkes Dissertation auf wissenschaftliches Fehlverhalten. Die Ständige Kommission zur Untersuchung wissenschaftlichen Fehlverhaltens wird in ihrer nächsten Sitzung über das weitere Vorgehen entscheiden.
Rechtliche Schritte von Woidtke hatten die Überprüfung zunächst verzögert, doch sowohl das Verwaltungsgericht Leipzig als auch das Sächsische Oberverwaltungsgericht haben die Untersuchung inzwischen genehmigt. Andreas Boine, Strafverteidiger und Vorsitzender des Sächsischen Strafverteidigervereins, erklärte, dass frühere Fälle, die auf Mantrailer-Beweisen beruhten, voraussichtlich nicht wiederaufgerollt werden. Das Scheitern des Programms markiert das Ende eines kostspieligen und umstrittenen Kapitels für die sächsische Polizei.
Offiziell ist das Mantrailer-Programm der sächsischen Polizei damit beendet – es sind keine Hunde mehr im aktiven Dienst. Die universitäre Prüfung von Woidtkes Arbeit wird zeigen, ob weitere Konsequenzen notwendig sind. Vorerst hat der juristische und wissenschaftliche Dammbruch einer einst vielversprechenden, letztlich aber diskreditierten Ermittlungsmethode ein Ende gesetzt.
