Sachsen kämpft mit steigenden Sprachdefiziten bei zukünftigen Erstklässlern
Senta ScheelSachsen kämpft mit steigenden Sprachdefiziten bei zukünftigen Erstklässlern
Sprachentwicklungsstörungen bei Kleinkindern in Sachsen nehmen seit 2019 zu
Neue Zahlen zeigen, dass mehr als ein Drittel der zukünftigen Erstklässler in Sachsen mit Sprachschwierigkeiten zu kämpfen hat. Behörden diskutieren nun, wie das Problem angegangen werden kann, bevor die Kinder eingeschult werden.
Wie aus einem aktuellen Bericht hervorgeht, weisen 37 Prozent der Kinder, die in Sachsen demnächst die Grundschule besuchen sollen, Anzeichen von Sprachverzögerungen auf. Dieser Anteil steigt seit 2019 kontinuierlich an. Rund 6.000 Kinder wurde aufgrund von Sprach- und Entwicklungsdefiziten geraten, den Schulbeginn zu verschieben oder Förderklassen zu besuchen.
Besonders betroffen sind Kinder aus benachteiligten Verhältnissen sowie solche in unterbesetzten Kitas. Fachleute führen als Hauptgrund eine verringerte sprachliche Interaktion im Elternhaus an, etwa weniger Gespräche oder Vorlesen. Obwohl Sachsen mit 12,1 Prozent einen vergleichsweise geringen Migrantenanteil hat, liegen die Sprachdefizit-Quoten höher als in Regionen wie Niedersachsen.
Als Reaktion hat Sachsens Bildungsministerin vorgeschlagen, für alle Vierjährigen verbindliche Sprach- und Entwicklungstests einzuführen. Ähnliche Überlegungen gibt es in Niedersachsen, wo Behörden Tests im vorletzten Kita-Jahr prüfen. Kita-Mitarbeiter warnen jedoch, dass zusätzliche Untersuchungen ohne mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen keine Verbesserung bringen werden.
Die Ministerin forderte zudem Bund und Länder auf, gemeinsam die Kitas besser zu unterstützen. Ohne stärkere Investitionen, so ihre Argumentation, könnten frühkindliche Fördermaßnahmen kaum Wirkung zeigen.
Die steigende Zahl von Kindern mit Sprachdefiziten hat Forderungen nach früheren Diagnosen und besserer Förderung ausgelöst. Sachsens Pläne für verpflichtende Tests zielen darauf ab, Probleme früher zu erkennen – doch der Erfolg hängt von höherer Finanzierung und mehr Personal ab. Ohne diese Veränderungen könnte sich die Kluft bei den frühen Sprachkompetenzen weiter vergrößern.
