Sachsen-Anhalt revolutioniert Architektenrecht mit Digitalisierung und Nachhaltigkeitsvorgaben
Gabriel HethurSachsen-Anhalt revolutioniert Architektenrecht mit Digitalisierung und Nachhaltigkeitsvorgaben
Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt hat umfassende Reformen vorgeschlagen, um die Berufsregeln für Architektinnen und Architekten sowie Stadtplaner zu modernisieren. Ein Gesetzentwurf zur Änderung des Architektengesetzes wurde kürzlich dem Landtag vorgelegt. Die Reformen zielen darauf ab, die Registrierung zu vereinfachen, die Ausbildung auszuweiten und strengere Nachhaltigkeitsanforderungen einzuführen.
Nach dem neuen Entwurf können Anträge auf Registrierung und berufliche Meldungen künftig online eingereicht werden. Diese Digitalisierung ist Teil einer breiter angelegten Initiative, um Verfahren für inländische wie ausländische Architektinnen und Architekten effizienter zu gestalten.
Ausländische Qualifikationen sollen zudem bereits vor der Einreise nach Deutschland auf Anerkennung geprüft werden – ein deutlicher Bruch mit der bisherigen Praxis anderer Bundesländer. In Ländern wie Baden-Württemberg liegen die Anerkennungquoten für Architektinnen und Architekten aus Staaten wie Albanien (0,7 %), Bosnien-Herzegowina (unter 0,2 %) und Nordmazedonien (0,2 %) weiterhin auf niedrigem Niveau. Politische Verzögerungen bei der Bearbeitung von Anträgen aus sicheren Drittstaaten haben die Genehmigungen zusätzlich verlangsamt. Sachsen-Anhalts Ansatz hingegen soll das Verfahren beschleunigen.
Die geplanten Änderungen erweitern zudem den Kreis derer, die der Architektenkammer beitreten können. Absolventinnen und Absolventen von Studiengängen in Architektur und Stadtplanung sollen künftig als Junior-Mitglieder aufgenommen werden. Berufstätige erhalten darüber hinaus das Recht, unter Gesellschaftsformen wie GmbH & Co. KG, OHG oder KG zu arbeiten.
Auch in der Ausbildung und Weiterbildung gibt es Neuerungen. Akademische und berufsbegleitende Programme müssen nun Kernbereiche wie Bauplanungsrecht, barrierefreies Gestalten und Klimafolgenanpassung abdecken. Der Entwurf schreibt zudem strengere Vorgaben für die Förderung der Biodiversität, Energieeffizienz und die Integration erneuerbarer Energien in Projekten vor. Soziale Aspekte wie bezahlbarer Wohnraum und barrierefreier Zugang erhalten ebenfalls mehr Gewicht.
Die Reformen werden die Arbeitsweise von Architektinnen, Architekten und Stadtplanern in Sachsen-Anhalt grundlegend verändern. Elektronische Antragsverfahren, schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse und erweiterte unternehmerische Möglichkeiten sollen die Berufsausübung erleichtern. Gleichzeitig werden strengere Nachhaltigkeits- und Sozialstandards künftige Bauprojekte im gesamten Bundesland prägen.






