Ostdeutschlands Ackerland wird knapp: Investoren und hohe Preise verdrängen Bauern
Senta ScheelWer besitzt das Feld? Drei Länder, drei Antworten - Ostdeutschlands Ackerland wird knapp: Investoren und hohe Preise verdrängen Bauern
Ackerland in Ostdeutschland wird immer schwerer zugänglich – steigende Preise und externe Investoren treiben die Entwicklung voran
In Ostdeutschland wird der Zugang zu landwirtschaftlichen Flächen zunehmend schwieriger, da die Preise steigen und externe Investoren Anteile an Agrarunternehmen aufkaufen. Kritiker warnen, dass diese Entwicklung das Land in den Händen weniger konzentrieren und die übliche Aufsicht umgehen könnte. Die Landesregierungen sind derweil uneins, wie sie darauf reagieren sollen.
Der Verkauf der Deutsche Agrar Holding (DAH) an den australischen Fonds Igneo Infrastructure Partners hat in Sachsen-Anhalt Besorgnis ausgelöst. Gegner befürchten, dass ausländische Investoren über Anteilskäufe – statt durch direkte Landkäufe – die Kontrolle über große Agrarflächen erlangen. Das Agrarministerium des Landes sieht darin jedoch keine strukturellen Auswirkungen auf die Landwirtschaft, eine Einschätzung, die von der Linksfraktion infrage gestellt wird.
In Sachsen wurde ein geplantes Agrarstrukturgesetz wieder fallen gelassen, da es an Daten zu Anteilskäufen mangle und die Gefahr durch spekulative Käufer als gering eingestuft wurde. Die Landesregierung kam zu dem Schluss, dass bundesweite Regelungen und nicht lokale Gesetze das Problem lösen müssten. Thüringen vertritt eine ähnliche Position und verzichtet auf neue Gesetze, um die wirtschaftliche Freiheit der Betriebe nicht einzuschränken und frühere verfassungsrechtliche Konflikte zu vermeiden.
Sachsen-Anhalt setzt stattdessen auf einen Bodenfonds, um landwirtschaftliche Strukturen zu stärken, statt rechtliche Hürden einzuführen. Alle drei Bundesländer – Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – kämpfen mit steigenden Bodenpreisen und Pachtkosten, die Ackerland knapp und teuer machen. Nichtlandwirte wie Versicherungen und Immobilienfirmen konkurrieren mittlerweile mit Bauern um diese begrenzten Ressourcen.
Politiker diskutieren weiterhin, ob Landesgesetze den Trend bremsen könnten. Doch ohne klare Linie bleibt der Erwerb von Agrarflächen über Unternehmensanteile weitgehend ungeregelt.
Ohne neue Vorschriften werden Investoren außerhalb der traditionellen Landwirtschaft voraussichtlich weiter Land über Anteilskäufe erwerben. Das Fehlen staatlicher Eingriffe bedeutet, dass die Kontrolle begrenzt bleibt, während der Wettbewerb um Ackerland zunimmt. Vorerst liegt die Verantwortung bei den Bundesbehörden – die Landesregierungen beobachten die Entwicklung, ohne selbst zu handeln.






