NDR setzt Julia Ruhs als Klar-Moderatorin ab – Medienbranche streitet über politische Ausgewogenheit
Gesa EigenwilligNDR setzt Julia Ruhs als Klar-Moderatorin ab – Medienbranche streitet über politische Ausgewogenheit
Der NDR hat Julia Ruhs als alleinige Moderatorin seiner Reportagereihe Klar abgesetzt. Die Entscheidung folgt auf Bedenken, dass ihre Folgen zu stark nach rechts tendierten. Unterdessen haben sich Kollegen aus der Comedy- und Medienbranche in die Debatte eingeschaltet.
Der Schritt sorgt für Diskussionen: Oliver Welke, Moderator der ZDF-heute show, kritisierte die Entscheidung des NDR scharf. Ruhs bleibt zwar weiterhin Moderatorin beim BR, doch beim NDR wird sie künftig durch Tanit Koch ersetzt.
Der Streit begann, nachdem NDR-Redakteure Ruhs' Arbeit überprüft und beschlossen hatten, sie auszutauschen. Ein geleaktes Video zeigte interne Gespräche, in denen die Sorge geäußert wurde, der Ton der Sendung entwickle sich zu sehr in Richtung rechts. Dennoch bleibt Ruhs weiterhin Frontfrau von Klar beim BR, während der NDR für seine Folgen auf Tanit Koch setzt.
Oliver Welke, Gastgeber der satirischen ZDF-heute show, stellte die Entscheidung öffentlich infrage. Er wies Vorwürfe zurück, Ruhs' Sendungen seien schlecht produziert, und betonte, dass die NDR-Redaktion jede Folge abgesegnet habe. Welke spielte zudem einen Ausschnitt ein, in dem Ruhs erwähnte, auch Freunde mit rechtem Gedankengut zu haben – und argumentierte damit, dass ihre von ihm als "konservativ-bürgerlich" beschriebene Haltung sie nicht disqualifizieren dürfe. Er lobte ihren rasanten Aufstieg: von der BR-Volontärin zur Moderatorin in nur drei Jahren.
Ruhs selbst reagierte auf X und nannte die heute show "gemein, aber lustig". Welke warf dem NDR vor, sich dem Druck gebeugt zu haben, und forderte mehr Toleranz für unterschiedliche Perspektiven im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die ZDF-Comedian Carolin Bosetti hingegen unterstützte den NDR-Schritt und kritisierte die "populistische und schlechte Journalismus"-Vorwürfe in der Gegenreaktion.
Die Auseinandersetzung endet damit, dass Ruhs weiterhin für den BR moderiert, während der NDR sie durch Koch ersetzt. Welkes Verteidigung und die breitere Branchenreaktion zeigen die anhaltenden Spannungen um die politische Ausgewogenheit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf. Der NDR äußerte sich nicht weiter zu den Details der Entscheidung.






