Lithium-Projekte im Erzgebirge: Tschechien startet durch, Deutschland bleibt zurück

Gabriel Hethur
Gabriel Hethur
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Ein Schwarz-Weiß-Foto eines Kohlebergwerks in Kolumbien, das einige Gebäude, Bäume und Berge im Hintergrund zeigt, mit Text am unteren Bildrand.Gabriel Hethur

Lithium-Projekte im Erzgebirge: Tschechien startet durch, Deutschland bleibt zurück

Pläne zur Baufinanzierung im Erzgebirge entwickeln sich seit über einem Jahrzehnt. Projekte auf beiden Seiten der deutsch-tschechischen Grenze kommen nun voran – allerdings mit unterschiedlich großem Erfolg. Während das tschechische Vorhaben Cínovec Finanzierung und regulatorische Fortschritte verzeichnet, kämpft das deutsche Zinnwald Lithium trotz neuer Bemühungen um EU-Anerkennung mit Rückschlägen.

Das Lithium-Projekt Cínovec in Tschechien hat nach der Unterstützung durch die EU und die Regierung an Fahrt aufgenommen. Die Aktionäre sollen bald über die Umsetzung und Finanzierung entscheiden. Das Projekt könnte bis zu 2.000 direkte Arbeitsplätze schaffen. Die tschechische Regierung hat sich mit bis zu 360 Millionen Euro engagiert, während der EU-Fonds für den gerechten Übergang im April 2025 zusätzliche 36 Millionen US-Dollar bewilligte. Der Projektträger Geomet (zu 51 Prozent im Besitz des Energiekonzerns ČEZ) plant, jährlich 3,2 Millionen Tonnen Erz zu fördern und daraus 37.500 Tonnen batterietaugliches Lithiumkarbonat zu gewinnen – genug für bis zu 1,3 Millionen Elektrofahrzeuge. Eine vollständige Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) wurde am 31. Dezember 2025 eingereicht, nachdem ein zweistufiges Prüfverfahren durchlaufen wurde. Die endgültige Genehmigung wird bis zum 30. Juni 2026 angestrebt.

Das deutsche Zinnwald-Lithium-Projekt hingegen ringt weiterhin um Unterstützung. Nach der Ablehnung als EU-kritischer Rohstoff im Jahr 2022 beantragte das Unternehmen im Januar 2023 erneut den Status. Wie CEO Marko Uhlig betonte, würde die Einstufung das Vertrauen der Investoren stärken – doch staatliche Finanzhilfen fehlen bisher. Gleichzeitig treibt Deutschland die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren nach EU-Vorgaben voran und hat mehr Anträge auf Rohstoffstatus gestellt als jedes andere EU-Land. Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (CDU) unterstrich die Abhängigkeit der Region von Rohstoffen für die industrielle und automobile Zukunft. Zwar betont die Landesbergbehörde, dass EU-geförderte Projekte keine bevorzugte Behandlung erfahren würden, doch könnte politischer Druck die Bearbeitung innerhalb der gesetzlichen Fristen beschleunigen. Die Europäische Kommission hält fest, dass alle Vorhaben strenge Kriterien erfüllen müssen – darunter Versorgungssicherheit, technische Machbarkeit sowie nachhaltige Umwelt- und Sozialstandards.

Während Cínovec mit Finanzierung und Genehmigungen als wichtiger Lithiumlieferant für den europäischen E-Auto-Markt voranschreitet, bleibt Zinnwald Lithium ohne EU-Anerkennung und staatliche Hilfe in der Schwebe. Die unterschiedlichen Entwicklungen zeigen, wie schwer es ist, industrielle Ambitionen mit regulatorischen und finanziellen Hürden in Einklang zu bringen.