Kölner Karnevalsvereine retten mittelalterliche Tore und Mauern vor dem Vergessen

Senta Scheel
Senta Scheel
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Eine alte Karte von Köln aus dem 18. Jahrhundert, die detaillierte Gebäude, Bäume und Text zeigt, der die Geschichte, Kultur und Sehenswürdigkeiten der Stadt beschreibt.Senta Scheel

Kölner Karnevalsvereine retten mittelalterliche Tore und Mauern vor dem Vergessen

Kölner mittelalterliche Stadttore und Mauern leben dank Karnevalsvereinen weiter

Die mittelalterlichen Stadttore und Stadtmauern Kölns sind noch immer von Tradition durchdrungen – und das verdanken sie den hiesigen Karnevalsgesellschaften. Einige dieser historischen Bauwerke dienen heute als Versammlungsorte, Proberäume oder sogar als Hauptsitz von Gruppen wie den Roten Funken und Blauen Funken. Die Vereine sorgen nicht nur für den Erhalt der Gebäude, sondern füllen sie mit Musik, Tanz und jahrhundertealten Bräuchen.

Zwei der vier erhaltenen mittelalterlichen Tore Kölns, das Severinstor und das Hahnentor, befinden sich noch immer in privater Hand. Seit über einem Jahrhundert gehören sie Karnevalsvereinen, die sie instand halten. Das im 13. Jahrhundert erbaute Hahnentor beherbergt heute die Kölner EhrenGarde, ein 1902 gegründetes Korps. Bekannt für ihre Umzüge, Tänze und Reitervorführungen während der Karnevalszeit, übernehmen sie zudem eine zentrale Rolle als Eskorte für den Bauer und die Jungfrau – zwei prägende Figuren der Kölner Feierlichkeiten.

In der Nähe nutzen Türme der alten Stadtmauer die Blauen Funken und Roten Funken als Domizil. Die Roten Funken, deren Wurzeln bis zu den Kölner Stadtsoldaten des 17. bis 19. Jahrhunderts zurückreichen, sind berühmt für ihre satirischen Tänze bei Karnevalssitzungen. Vor ihrem Versammlungsort an der Ulrepforte wacht eine lebensgroße Bronzefigur eines Funkens. Besucher können sie sogar "sprechen" hören – dank einer interaktiven Funktion auf der Website des Vereins. Die Blauen Funken hingegen spalteten sich 1870 nach einem Streit um ihre Position im Rosenmontagszug von den Roten Funken ab und führen seitdem den Umzug an.

Auch andere Vereine wie die Prinzen-Garde Köln 1906 – wegen ihrer Uniformen scherzhaft Mählsäcke (Mehlsäcke) genannt – haben Teile der Stadtmauer als Heimat bezogen. Das ganze Jahr über reparieren diese Gruppen bröckelndes Mauerwerk, proben ihre Auftritte und bereiten die nächste Karnevalssaison vor. Ihr Engagement bewahrt nicht nur die Bausubstanz, sondern auch die mit ihr verbundenen Traditionen.

Dank der Arbeit der Karnevalsvereine sind Kölns mittelalterliche Tore und Mauern weit mehr als bloße Relikte. Indem sie die Räume für Proben, Treffen und öffentliche Auftritte nutzen, erhalten sie sowohl die Bauwerke als auch den festlichen Geist der Stadt. Diese einzigartige Verbindung von Geschichte und Feierkultur zieht Einheimische wie Besucher gleichermaßen an diese historischen Stätten.