Katholische Kirche in Deutschland: Systematische Vertuschung von Missbrauch aufgedeckt

Gabriel Hethur
Gabriel Hethur
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Ein Buch mit Bildern und Texten, die die Geschichte der katholischen Kirche dokumentieren, darunter Bilder von ihren Räumen, Fluren und erhaltenen Artefakten.Gabriel Hethur

Studie klärt sexuellen Missbrauch in der Erzdiözese Paderborn - Katholische Kirche in Deutschland: Systematische Vertuschung von Missbrauch aufgedeckt

Eine neue unabhängige Studie hat systematische Versäumnisse der katholischen Kirche in Deutschland bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen aufgedeckt. Die Ergebnisse zeigen, dass hochrangige Kardinäle wiederholt Täter deckten, während sie Opfer im Stich ließen. Als Reaktion darauf hat die Kirche nun einen Expertenrat eingesetzt, der strengere Kontrollen und Präventivmaßnahmen durchsetzen soll.

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht das Erzbistum Paderborn, das große Teile Nordrhein-Westfalens umfasst – von Minden bis Siegen und von Herne bis Höxter. Mit 1,3 Millionen Katholiken wurde die Diözese über einen Zeitraum von 81 Jahren untersucht, von 1941 bis 2022. Die Forscher analysierten die Amtszeiten der Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt und deckten dabei Muster des Schutzes für beschuldigte Kleriker auf.

Die Veröffentlichung der Studie verzögerte sich bis 2026, bedingt durch die COVID-19-Pandemie und unerwartet große Mengen an zusätzlichem Quellenmaterial, die die Bearbeitungszeit verlängerten. In einer zweiten Phase wird nun die Amtszeit von Erzbischof em. Hans-Josef Becker untersucht, der die Diözese von 2002 bis 2022 leitete.

Ende 2024 richtete die deutsche katholische Kirche den Expertenrat für Schutz vor sexualisierter Gewalt ein, um die Empfehlungen der Studie umzusetzen. Der Rat führt externe Kontrollen und diözesenübergreifende Überwachungsmechanismen für Prävention und Intervention ein. Aktualisierte Verfahren zur Bearbeitung von Missbrauchsfällen wurden eingeführt, ebenso wie überarbeitete Präventionskonzepte. Fast alle Bistümer haben zudem Beauftragte für "queersensible Seelsorge" ernannt. Einige, wie Aachen, sind noch weiter gegangen und veröffentlichen die Namen von Tätern sowie jährliche Berichte zur Aufarbeitung von Missbrauch.

Die Ergebnisse bestätigen, dass Kardinäle Täter aktiv schützten, während sie Opfer im Stich ließen. Der neu gegründete Expertenrat soll nun für mehr Verantwortung sorgen und den Schutz in allen deutschen Diözesen verbessern. Strengere Kontrollen und öffentliche Berichterstattung stehen im Mittelpunkt des überarbeiteten Vorgehens der Kirche.