10 January 2026, 01:00

Immer mehr Migranten in Deutschland träumen vom Wegzug – doch nur wenige gehen

Ein Raum voller Menschen, die an Tischen sitzen und auf Papieren schreiben.

Einer von Fünf Denkt Über Auswanderung Nach - Immer mehr Migranten in Deutschland träumen vom Wegzug – doch nur wenige gehen

Immer mehr Migranten sowie ihre Nachkommen in Deutschland überlegen, das Land zu verlassen. Eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) zeigt einen deutlichen Anstieg der Auswanderungsabsichten im Vorfeld der Bundestagswahl im Februar 2025. Während offizielle Statistiken die tatsächlichen Migrationen erfassen, geben sie keine Auskunft darüber, wie viele Menschen ernsthaft mit dem Gedanken spielen, Deutschland zu verlassen.

Laut der Untersuchung haben 34 Prozent der ersten Generation von Zugewanderten und 37 Prozent ihrer Nachkommen bereits über eine Auswanderung nachgedacht. Zum Vergleich: Bei Menschen ohne Migrationshintergrund liegt dieser Anteil bei nur 17 Prozent. Besonders ausgeprägt ist der Wunsch nach einem Wegzug bei Personen mit familiären Wurzeln in der Türkei, dem Nahen Osten und Nordafrika – hier haben 39 Prozent darüber nachgedacht. Es folgen Menschen mit Herkunft aus der ehemaligen Sowjetunion (31 Prozent) und aus EU-Ländern (28 Prozent).

Als Hauptgründe für die Auswanderungsüberlegungen nennen die Befragten die Hoffnung auf ein besseres Leben sowie Erfahrungen mit Diskriminierung. Allerdings plant nur ein kleiner Teil (2 Prozent) konkret, innerhalb des nächsten Jahres ins Ausland zu ziehen – obwohl 21 Prozent zumindest in Erwägung ziehen. Die DeZIM-Ergebnisse zu abstrakten Auswanderungsabsichten liegen damit etwas höher als in anderen Studien. 2024 haben tatsächlich rund 1,2 Millionen Menschen Deutschland verlassen. Doch wie viele von ihnen Migranten oder deren Nachkommen waren, die in den vergangenen Jahren über einen Wegzug nachgedacht haben, ist statistisch nicht erfasst. Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis), des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und anderer Bundesbehörden dokumentieren zwar Migrationsbewegungen und Bevölkerungsentwicklungen, nicht aber Einstellungen wie Auswanderungsabsichten.

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Im Vorfeld der Wahl 2025 stieg der Anteil der Migranten und ihrer Nachkommen, die über einen Wegzug nachdenken, um etwa zehn Prozentpunkte an. Dies deutet auf eine Veränderung der Stimmungslage hin, auch wenn konkrete Auswanderungspläne weiterhin selten sind.

Die Studie macht deutlich, dass es eine große Kluft zwischen dem Nachdenken über eine Auswanderung und der tatsächlichen Umsetzung gibt. Zwar denken viele Zugewanderte und ihre Nachkommen über einen Wegzug nach, doch nur ein kleiner Teil setzt dies kurzfristig in die Tat um. Die Ergebnisse verweisen zudem auf grundlegendere Fragen der Integration und Lebensqualität in Deutschland.