23 May 2026, 16:29

Gleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen wachsende Feindseligkeit und rechtsextreme Angriffe

"Ich bin ein einsamer Krieger"

Gleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen wachsende Feindseligkeit und rechtsextreme Angriffe

Gleichstellungsbeauftragte in Deutschland sehen sich wachsender Feindseligkeit ausgesetzt

In Deutschland nehmen antifeministische Angriffe auf Gleichstellungsbeauftragte immer bedrohlichere Formen an. Die Vorfälle reichen von Vandalismus und Budgetkürzungen bis hin zu direkten Drohungen – oft gesteuert von rechtsextremen Gruppen. 2024 hat sich die Lage weiter zugespitzt: Berichte über Einschüchterungsversuche und politischen Druck häufen sich bundesweit.

Auf dem jüngsten Kongress der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) der Gleichstellungsbeauftragten in Lübeck stand das Motto „Kurs halten in antifeministischen Gewässern“ im Mittelpunkt – eine Reaktion auf Kürzungen und die zunehmende Gegenwehr. Die Tagung machte deutlich, mit welchen Herausforderungen die Beauftragten mittlerweile täglich konfrontiert sind.

Allein in diesem Jahr registrierte die Meldestelle Antifeminismus 558 Vorfälle – im Schnitt fast zehn pro Woche. Häufig richteten sich die Angriffe gegen Symbole der Gleichstellung, darunter orangefarbene Bänke, die im Rahmen der UN-Kampagne Orange the World gegen geschlechtsspezifische Gewalt aufgestellt wurden. In Osnabrück wurde eine Bank mit Graffiti beschmiert, in Wiesbaden eine gestohlen, und in Annweiler prangte plötzlich eine feindselige Parole auf einer der Bänke.

Doch die Bedrohungen gehen über Sachbeschädigung hinaus. Eine Gleichstellungsbeauftragte in Baden-Württemberg berichtete, rechtsextreme Aktivist:innen seien nach einem öffentlichen Statement vor ihrer Privatwohnung aufgetaucht. Eine Umfrage unter 350 Beauftragten ergab, dass 63 Prozent in den vergangenen zwei Jahren antifeministische Angriffe auf ihre Arbeit erlebt hatten – 40 Prozent sogar mehrfach.

Auch politische Entscheidungen verschärfen den Druck. Die Bundesfrauenministerin Karin Prien (CDU) sagte ihre Teilnahme am BAG-Kongress kurzfristig ab – ein Schritt, der Befürchtungen nährt. Ihre geplanten Strukturreformen könnten die Förderung von Gleichstellungsprojekten weiter kürzen und den Beauftragten damit zusätzliche Mittel entziehen.

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Als Reaktion bilden viele Gleichstellungsbeauftragte nun Netzwerke, um Strategien auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen. Der BAG-Kongress entwickelte sich dabei zu einer Plattform für solche Bündnisse, während die Fachkräfte nach Wegen suchen, antifeministischen Strömungen etwas entgegenzusetzen – trotz schrumpfender Budgets.

Die Angriffe auf Gleichstellungsbeauftragte reißen nicht ab: Vandalismus, politische Kürzungen und persönliche Drohungen werden zur neuen Normalität. Während die Fachkräfte um den Erhalt ihrer Arbeit kämpfen, erweisen sich Vernetzung und gemeinsame Strategien als entscheidende Werkzeuge. Die kommenden Monate werden zeigen, ob diese Ansätze der wachsenden Opposition und den finanziellen Engpässen standhalten können.

Quelle