Frankfurts „Ginnheimer Spargel“ bleibt für immer geschlossen – wer trägt die Schuld?
Sibilla HartungFrankfurts „Ginnheimer Spargel“ bleibt für immer geschlossen – wer trägt die Schuld?
Frankfurts ikonischer „Ginnheimer Spargel“ bleibt voraussichtlich geschlossen
Nach der Absage der Betreiber an mögliche Wiedereröffnungspläne wird der berühmte Fernsehturm der Mainmetropole wohl weiterhin ungenutzt bleiben. Die 338 Meter hohe Konstruktion, in der einst ein Drehrestaurant und eine Diskothek untergebracht waren, steht seit Jahren still. Ein Streit um die Finanzierung zwischen dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt hat das Projekt in eine Sackgasse manövriert.
Der Turm schloss bereits 1999 seine Türen – wie viele andere, die durch den Wechsel von Antennenausstrahlung zu Glasfaserkabeln und Satellitentechnik ihre Einnahmequellen verloren. Ohne zahlende Mieter machten die steigenden Instandhaltungskosten und verschärfte Sicherheitsvorschriften den Betrieb unwirtschaftlich. Eine Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2023 bezifferte die Wiedereröffnungskosten auf 50 Millionen Euro, wobei die Bundesregierung die Hälfte übernehmen wollte – vorausgesetzt, Land und Stadt teilen sich die verbleibenden 25 Millionen Euro.
Die DFMG, eine Tochter der Deutschen Telekom und Betreiberin des Turms, geht nun davon aus, dass die Bundeszusage für die Fördergelder Ende 2025 ausläuft. Da sich Hessen und Frankfurt nicht auf eine Lösung einigen konnten, hat das Unternehmen die Pläne zur Reaktivierung der Anlage aufgegeben. Ähnliche Türme in Köln und Nürnberg bleiben aus denselben finanziellen Gründen geschlossen. Nur noch vier Standorte – Berlin, Düsseldorf, Dortmund und Stuttgart – empfangen Besucher. Der Münchner Turm wird derzeit saniert, während Hamburg und Dresden kurz vor der Wiedereröffnung stehen, finanziert durch ein gemeinsames Fördermodell. Viele dieser Bauwerke zogen einst mit Aussichtsplattformen, Restaurants oder Clubs Besucher an, bevor der technologische Wandel sie überflüssig machte.
Der „Ginnheimer Spargel“ reiht sich damit in die wachsende Liste stillgelegter Türme ein, deren Wiedereröffnung unwahrscheinlich ist. Ohne eine gemeinsame Finanzierungslösung bleibt seine Zukunft ungewiss. Während andere Städte Wege finden, ihre Wahrzeichen zu neuem Leben zu erwecken, bleibt Frankfurts Turm vorerst im Schatten.
