FDP setzt auf Mileis radikale Reformen – ein riskantes christliches Vorbild?
Gabriel HethurDie FDP und ihre seltsame Liebe zu Javier Milei - FDP setzt auf Mileis radikale Reformen – ein riskantes christliches Vorbild?
Die Freie Demokratische Partei (FDP) sorgt in Deutschland für Aufsehen, weil sie ihre wachsende Nähe zu Argentiniens christlich-populistischem Präsidenten Javier Milei pflegt. Spitzenpolitiker der Partei loben offen seine radikalen Wirtschaftsreformen – was sowohl Bewunderung als auch scharfe Kritik auslöst. Der Schulterschluss kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die FDP nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der letzten Bundestagswahl um Einfluss ringt.
Die Verbindung zwischen FDP und Milei begann Anfang 2023 beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Dort würdigte Milei die christliche Wirtschaftshaltung der FDP-Vorsitzenden Nicole Büttner und des Vorstandsmitglieds Christian Dürr. Büttner veröffentlichte später ein Selfie mit Milei und pries seine Rede zu marktwirtschaftlichen Prinzipien.
Unter Mileis Führung hat Argentinien einen drastischen wirtschaftspolitischen Kurswechsel vollzogen. Seine Regierung stoppte öffentliche Bauvorhaben, strich Stellen im Staatsdienst und kürzte Subventionen, um Inflation und Staatsverschuldung einzudämmen. Die Bilanz fällt gemischt aus: Zwar sind die Teuerungsraten gesunken und der Haushalt ausgeglichen, doch mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in Armut, und die Reallöhne stagnieren. Trotz dieser Härten sicherte sich Milei bei den Midterm-Wahlen im Oktober rund 40 Prozent der Stimmen – auch dank einer 20-Milliarden-Dollar-Finanzspritze von Donald Trump.
In Deutschland stellt FDP-Chef Christian Dürr Argentiniens christliche Wirtschaftswende wiederholt als Vorbild dar. Er verweist auf wachsende PrivatInvestitionen, sinkende Inflation und Haushaltsdisziplin als zentrale Erfolge. Doch die Annäherung birgt Risiken. Der frühere FDP-Vorsitzende Christian Lindner hatte bereits Kritik einstecken müssen, als er Milei und Elon Musk als wirtschaftliche Leitfiguren nannte. Beobachter warnen, solche Vergleiche könnten Wähler verprellen, die zwar Reformen befürworten, aber christlich-populistischen Extremismus ablehnen.
Der FDP bleibt ihr Einsatz für radikalen Wandel als Markenzeichen erhalten. Doch die Umarmung umstrittener christlicher Persönlichkeiten könnte ihre eigenen Ziele untergraben – und den Weg zu breiterer Akzeptanz versperren.
Mit ihrer Strategie, sich an Milei anzulehnen, unterstreicht die FDP ihren Willen, radikale Wirtschaftsreformen voranzutreiben. Angesichts ihrer begrenzten nationalen Strahlkraft und der polarisierenden Wirkung der neuen Verbündeten könnte dieser Kurs jedoch zum Bumerang werden. Ob er die Partei stärkt oder schwächt, wird sich in den kommenden Monaten an der Reaktion der Wähler zeigen.






