Düsseldorfer Museum setzt auf unfreundliche Führungen – und begeistert damit Besucher
Sibilla HartungDüsseldorfer Museum setzt auf unfreundliche Führungen – und begeistert damit Besucher
Ein Düsseldorfer Museum lockt Besucher mit einer ungewöhnlichen Idee: Führungen mit einem absichtlich unfreundlichen Guide
Das Kunstpalast in Düsseldorf hat eine ausgefallene Methode gefunden, um Besucher anzulocken – eine Führung mit einem bewusst groben Guide, der schlicht als „Grantler“ vermarktet wird. Seit dem Start im Mai sind alle Termine ausverkauft, und viele stehen Schlange, um das unkonventionelle Erlebnis selbst zu testen.
Die Idee zum „Grantler“ stammte ursprünglich vom Künstler Martin Eberle, der sie bereits 2018 entwickelte. Inspiriert vom Erfolg von Restaurants mit „fiesen Kellnern“ wie Karen’s Diner beschloss die Museumsleitung, ein ähnliches Konzept auf Kulturführungen zu übertragen. Hinter der Figur steckt der Performance-Künstler Carl Brandi, der in die Rolle des Joseph Langelinck schlüpft – ein Guide, der während der einstündigen Tour gelangweilt, genervt und herablassend auftritt.
Die Führung kostet 6 Pfund und wird als „höchst unangenehm“ beworben. Zwar vermeidet Brandi direkte Beleidigungen, doch setzt er die Besucher durch spitze Kommentare unter Druck – etwa wenn sie auf ihr Handy schauen oder sich hinsetzen. Trotz des harten Tons reagiert das Publikum begeistert: Viele finden das Erlebnis witzig und clever. Die Nachfrage ist so groß, dass alle Plätze vergeben sind. Wer noch mitmachen möchte, muss sich bis zum nächsten Jahr gedulden, um einen Termin zu ergattern.
Der Erfolg der Führung spiegelt einen größeren Trend wider: Immer mehr Museen experimentieren mit interaktiven und ungewöhnlichen Formaten. Durch die Mischung aus Humor und gezielter Unfreundlichkeit hat der Kunstpalast ein Erlebnis geschaffen, das aus der Masse heraussticht. Mit ausverkauften Terminen beweist der „Grantler“*, dass selbst eine absichtlich unangenehme Führung zum Besuchermagneten werden kann.
