Die Wahrheit
Die Wahrheit
Teaser: Allgegenwärtig vor Weihnachten in Bayern ist das Gedicht „Heilige Nacht“ des noch immer populären Antisemiten Ludwig Thoma.
18. Dezember 2025, 23:06 Uhr
Schlagwörter: Unterhaltung, Popkultur
Eine seit langem gepflegte Weihnachtsradition in Bayern sorgt weiterhin für Diskussionen. Ludwig Thomass 1908 veröffentlichtes Gedicht „Heilige Nacht“, das für seine antisemitischen Untertöne bekannt ist, wird in der Adventszeit nach wie vor häufig vorgetragen. Trotz Kritik wird das Werk vor ausverkauften Häusern aufgeführt – der Schauspieler Enrico de Paruta inszeniert es seit über 25 Jahren in Städten wie München, Ingolstadt und Regensburg.
Das Gedicht erzählt in bayerischem Dialekt die Geschichte von Josef und Maria, die in Bethlehem nach einer Herberge suchen. Sein Refrain – „So hat die Nacht / Den Heiland bracht / Zu dieser Stund. / Ehre sei Gott in der Höhe / Und Frieden den Menschen herunt!“ – wird oft bei Weihnachtsliedsingen angestimmt. Doch Thomass Erbe bleibt umstritten, da seine Schriften antisemitische Tendenzen aufweisen.
Versuche, nach ihm benannte Straßen umzubenennen, stoßen auf vehementen Widerstand. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter lehnt solche Änderungen kategorisch ab: „Solange ich Oberbürgermeister bin, wird das nicht passieren.“ Thomass Anhänger, die sogenannten „Thomajünger“, betonen seine kulturelle Bedeutung, insbesondere seine beliebten „Lausbubengeschichten“. Umbenennungskampagnen, vorangetrieben von Kritikern seines Antisemitismus, scheitern meist. Thomass Werk bleibt tief in der bayerischen Kultur verwurzelt. Die jährlichen Aufführungen de Parutas ziehen große Menschenmengen an, während Straßen mit seinem Namen unverändert bleiben. Die Spannung zwischen Tradition und Kritik hält an – eine Lösung ist nicht in Sicht.
Die Beliebtheit des Gedichts bleibt trotz seiner umstrittenen Geschichte ungebrochen. Straßen, die nach Thoma benannt sind, bestehen weiter, und seine Werke werden weiterhin gefeiert. Bisher zeigen bayerische Verantwortliche und Bewunderer keine Bereitschaft, sich von seinem Erbe zu distanzieren.
