21 December 2025, 20:29

Die ängstliche Gesellschaft

Ein Plakat mit zahlreichen Gebäuden und hervorgehobenen Text.

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Teaser: Die deutsche Identität bleibt ein ewiges Dilemma. Ein „Ossi of Color“ unterbreitet demokratische Vorschläge, wie wir wieder zusammenwachsen können. Werden sich die Linken beteiligen?

Artikel: Die Debatten über deutsche Identität und Patriotismus dominieren seit Monaten die öffentliche Diskussion. Während einige Politiker und Bürger den nationalen Niedergang befürchten, plädieren andere für ein demokratisch verankertes Zugehörigkeitsgefühl. Die Auseinandersetzung durchzieht Parteien, zivilgesellschaftliche Gruppen und Basisbewegungen – alle auf der Suche nach einer Definition, was es heute bedeutet, Deutsch zu sein.

Eine kürzliche Veranstaltung in Radeberg offenbarten tiefe Verunsicherung: Ein älterer Teilnehmer stellte die Zukunft Deutschlands infrage und erwog sogar die AfD als mögliche Lösung. Doch Stimmen wie die des Autors und Aktivisten Jan Christopher Cohrs schlagen einen anderen Weg vor: einen „konstruktiven Patriotismus“, der demokratische Werte ohne Ausgrenzung oder Überlegenheitsdenken feiert.

Der Begriff „konstruktiver Patriotismus“ stammt von Cohrs und beschreibt eine Liebe zum eigenen Land, die Nationalismus ablehnt. Während Nationalismus eine ethnische Gruppe über andere stellt, verbindet dieser Ansatz Heimatstolz mit Demokratie, Toleranz und offenem Dialog. Unterstützer finden sich in etablierten Parteien wie CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen, aber auch unter Pädagogen, Gewerkschaften, Medien und NGOs. Gemeinsam fördern sie bürgerschaftliches Engagement durch Gesetze, Kampagnen und lokale Projekte.

Doch die Spannungen bleiben. CDU-Chef Friedrich Merz sorgte kürzlich mit der Äußerung für Aufsehen, die Präsenz nicht-weißer Menschen in deutschen Städten stelle ein Problem dar – und erntete heftige Kritik. Die Aussage zeigt, wie Identitätsdebatten oft mit Ängsten vor Veränderung kollidieren. Für viele prägt die deutsche Vergangenheit, insbesondere die Shoah, bis heute das nationale Selbstverständnis: nicht als starre Merkmale, sondern als stetiger Wandel. Cohrs, der sich als „Ossi of Color“ bezeichnet, beschreibt den Osten als Ort der Inklusion und demokratischer Werte. Doch nicht alle teilen diese Sicht. Auf der Radeberger Veranstaltung äußerte ein älterer Mann Verzweiflung über den vermeintlichen Niedergang Deutschlands und reagierte gereizt, als seine Bedenken thematisiert wurden. Seine Worte spiegeln eine gesellschaftliche Unsicherheit wider, in der Orientierungslosigkeit nach einfachen Antworten sucht – manchmal bis hin zum Extremismus.

Als Reaktion fordert der Autor linke Parteien und Unterstützer auf, Räume für ehrliche Gespräche über deutsche Identität zu schaffen. Ziel ist es, spaltende Rhetorik durch ein gemeinsames Zugehörigkeitsgefühl zu überwinden – eines, das auf Demokratie statt auf Ausgrenzung gründet.

Die Bewegung für konstruktiven Patriotismus vereint unterschiedliche Akteure – von Politikern bis zu Lehrkräften –, um demokratische Werte zu stärken. Trotz anhaltender Ängste vor nationalem Verfall setzen Initiativen auf bürgerschaftliches Engagement und offenen Dialog, um die Debatte neu zu prägen. Die Herausforderung bleibt: eine geteilte Identität mit den Realitäten einer sich ständig wandelnden Gesellschaft in Einklang zu bringen.