04 January 2026, 18:51

DDR-Leben und Dorfgeschichten: Leipzig diskutiert über Identität und Verlust

Eine nächtliche Straßenszene in der Stadt mit Gebäuden, Fahrzeugen, Pfählen, Lampen, Eisenstäben, Bäumen und einer Skulptur unter einem dunklen Himmel.

DDR-Leben und Dorfgeschichten: Leipzig diskutiert über Identität und Verlust

Literarische Begegnung in Leipzig: Studenten und Domenico Müllensiefen diskutieren über das Leben in der DDR

In Leipzig kommt es zu einer literarischen Begegnung zwischen Studierenden und dem Autor Domenico Müllensiefen, bei der das Leben in der DDR im Mittelpunkt steht. Bei der Lesung aus seinem Roman "Anschnallen, wir fahren" werden Themen wie Identität, politischer Wandel und Zugehörigkeit erkundet. Unterdessen hält der ortsansässige Schriftsteller Heiko Kugler in Jeetzenbeck – Ein Dorf und seine Geschichten die verblassenden Erzählungen eines Ortes fest, der einst von Träumen und Abschieden geprägt war.

Die Gegensätze könnten kaum größer sein: Während die Geschichte des einen Dorfes in Buchform bewahrt wird, steht ein anderes vor dem Verlust seiner letzten Zugverbindung in die weite Welt.

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An einem ruhigen Abend in Leipzig lädt das Forum Zeitgeschichte zu einer Diskussion mit Domenico Müllensiefen ein. Sein Roman "Anschnallen, wir fahren" begleitet einen jungen Mann durch die letzten Jahre der DDR und verbindet politische Umbrüche mit persönlichen Konflikten. Studierende sind eingeladen, sich an dem von Carolin Büscher (Mitteldeutscher Rundfunk) moderierten Gespräch über Wurzeln, Vertreibung und die Suche nach Identität zu beteiligen.

Die Themen des Buches spiegeln sich in den realen Schicksalen aus Jeetzenbeck wider, einem Dorf, von dem einst viele mit dem Zug aufbrachen, um in Amerika ein neues Leben zu beginnen. Der dort lebende Autor Heiko Kugler hat diese Geschichten in "Jeetzenbeck – Ein Dorf und seine Geschichten" dokumentiert. Sein Werk verknüpft die Hoffnungen von Einheimischen wie Marcel, der von einer stabilen Familie und einer besseren Zukunft träumt, mit dem Verfall alter Häuser und schwindenden Perspektiven. Doch die Verbindungen des Dorfes zur Außenwelt bröckeln: Die Bahnstrecke, die Jeetzenbeck mit der nächsten Stadt verband, soll stillgelegt werden – eine Lebensader, die einst Auswanderer und Pendler gleichermaßen transportierte. Marcels eigene Familiengeschichte ist von verpassten Chancen geprägt: Sein Vater erreichte Amerika nie, und seine Schwester raste einst mit dem Auto in die Friedhofsmauer – ein Symbol für den langsamen Niedergang des Dorfes. Heute stehen Einfamilienhäuser am Ortsrand leer, ihre Mauern bröckeln, während die Gemeinschaft schrumpft.

Die Leipziger Veranstaltung bietet Raum für eine Auseinandersetzung mit dem Erbe der DDR, während die Geschichten aus Jeetzenbeck drohen, in Vergessenheit zu geraten. Kuglers Buch bewahrt ein Stück Dorfgeschichte, doch die Schließung der Bahnlinie deutet auf eine Zukunft noch größerer Isolation hin. Für Bewohner wie Marcel bleibt der Kampf um ein besseres Leben – inmitten stiller Verlassenheit.