08 June 2026, 14:27

Bundesregierung plant Zuckersteuer ab 2028 – doch die Industrie trickst bei den Angaben

Wie das Landwirtschaftsministerium Schön Berechnete Zuckerfortschritte

Bundesregierung plant Zuckersteuer ab 2028 – doch die Industrie trickst bei den Angaben

Die deutsche Bundesregierung plant eine neue Steuer auf zuckerhaltige Getränke, die 2028 in Kraft treten soll. Laut Angaben der Behörden wird die Maßnahme jährlich rund 450 Millionen Euro einbringen. Gleichzeitig stellt ein aktueller Bericht frühere Aussagen über die Zuckerreduktion in Erfrischungsgetränken zwischen 2018 und 2024 infrage.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hatte zuvor erklärt, der Zuckergehalt in Softdrinks sei von 2018 bis 2024 um 15 Prozent gesunken. Interne Daten zeigen jedoch, dass die tatsächliche Verringerung nur 9,1 Prozent betrug. Die 15-Prozent-Angabe bezog sich lediglich auf einen gewichteten Durchschnitt bestimmter marktrelevanter Getränke – nicht auf alle untersuchten Produkte.

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Laut dem Bericht des Max Rubner-Instituts blieben die Zuckergehalte in den meisten gesüßten Getränken im selben Zeitraum weitgehend unverändert. Besonders problematisch: Normale Erfrischungsgetränke in kindgerechter Verpackung enthielten 2024 sogar 23 Prozent mehr Zucker als noch 2019. Kritiker wie Luise Molling von der Verbraucherorganisation Foodwatch werfen dem Ministerium vor, die Fortschritte der Industrie bewusst übertrieben darzustellen, um strengere Regulierungen zu vermeiden.

Nach dem geplanten Steuermodell wären Getränke mit weniger als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter befreit. Bei höherem Zuckergehalt würden 26 oder 32 Cent pro Liter fällig – zu tragen von Herstellern oder Händlern. Branchenvertreter haben bereits mit Lobbyarbeit gegen die Abgabe begonnen und argumentieren, sie treffe die Produzenten ungerechtfertigt.

Das Landwirtschaftsministerium wies die Vorwürfe der Irreführung zurück und beharrt auf der Richtigkeit seiner Zahlen. Dennoch wächst der Druck, beim Zuckerrückgang konsequenter vorzugehen.

Die Zuckersteuer soll 2028 eingeführt werden und sich gegen Hersteller und Händler besonders zuckerreicher Getränke richten. Falls wie geplant umgesetzt, würde sie nicht nur beträchtliche Einnahmen generieren, sondern auch Unternehmen dazu bewegen, ihre Rezepte zu überarbeiten. Die Debatte über den Zuckergehalt und die Verantwortung der Industrie wird jedoch voraussichtlich weitergehen.

Quelle