26 January 2026, 23:06

Berlins Kunstszene im Jubiläumsrausch: Wenn Marketing die Kunst verdrängt

Eine alte Postkarte mit verschiedenen Abbildungen von Berlin, darunter Gebäude, Bäume und eine Statue, mit handgeschriebener Schrift.

Berlins Kunstszene im Jubiläumsrausch: Wenn Marketing die Kunst verdrängt

Berlin's Kunstszene steht in der Kritik: Der Anniversary-Hype überlagert den künstlerischen Anspruch

Die Berliner Kunstwelt gerät zunehmend unter Beschuss, weil sie sich in einem übertriebenen Jubiläumsfieber verliert. Große Institutionen feiern selbst kleinere Jahrestage mit großem Tam-Tam – oft geht es dabei mehr um Publicity als um inhaltlich bedeutende Ausstellungen. Gleichzeitig verlieren wichtige Spielstätten ihre ursprüngliche Bestimmung, was Fragen nach der kulturellen Ausrichtung der Stadt aufwirft.

Den Anfang machte eine Reihe hochkarätiger Events wie der 200. Geburtstag der Museumsinsel – obwohl das Pergamonmuseum seit 2013 geschlossen ist und erst 2037 vollständig wiedereröffnet werden soll. Ähnlich verhält es sich beim Hamburger Bahnhof, der sein 30-jähriges Bestehen beging, während er sich darauf vorbereitet, seine Funktion als Ausstellungsort für die Sammlung der Nationalgalerie aufzugeben.

Andere Häuser ziehen nach. Die Neue Nationalgalerie verlieh ihren renommierten Preis der Nationalgalerie 2024 an Maurizio Cattelan – einen längst etablierten Künstler – statt Nachwuchstalente zu fördern. Cattelans provokante Werke, darunter eine mit Klebeband an die Wand montierte Banane und ein vergoldetes Klosett, stoßen bei Kritikern auf Skepsis, was ihren künstlerischen Wert angeht. Zum Vergleich: 2021 ging der Preis an Sandra Mujinga, deren Verleihung am 10. Dezember 2021 mit einer Einzelausstellung verbunden war, die vor allem dem Image der Institution und der Stadt dienen sollte. Beobachter werfen Berlin vor, die Jubiläumsmanie als Marketinginstrument zu nutzen, um Besucher anzulocken – auf Kosten einer durchdachten Kuratierung. Selbst der 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit blieb von lokalen Häusern unbeachtet. Anderswo zeigen etwa die Pinakothek der Moderne in München oder die Berlinische Galerie, wie Jubiläumsausstellungen gelingen können, wenn sie mit Weitsicht konzipiert werden.

Für zusätzliche Kontroversen sorgte der Kunstberater Walter Smerling, der vorschlug, den Flughafen Tempelhof für eine mit öffentlichen Geldern und politischem Einfluss finanzierte Ausstellung anzumieten. Der Plan entfachte Debatten über Transparenz und den Umgang mit Steuergeldern im Berliner Kulturbetrieb.

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Die Fixierung auf Jubiläen lenkt die Aufmerksamkeit von kuratorischer Qualität und künstlerischer Entwicklung ab. Wenn Orte wie der Hamburger Bahnhof ihre ursprüngliche Funktion einbüßen und prestigeträchtige Preise an ohnehin schon arrivierte Künstler vergeben werden, droht Berlins Kunstszene, den Eventcharakter über den inhaltlichen Anspruch zu stellen. Welche langfristigen Folgen das für den kulturellen Ruf der Stadt haben wird, bleibt abzuwarten.