Berlin zeigt: Wie die Bürokratie Deutschland lähmt – und warum sie trotzdem nötig ist
Gesa EigenwilligBerlin zeigt: Wie die Bürokratie Deutschland lähmt – und warum sie trotzdem nötig ist
Eine neue Ausstellung in Berlin rückt die Bürokratie in den Fokus. Das „Bürokratie-Museum“ der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) will auf das ausufernde Regelwerk aufmerksam machen – so die Kritik der Initiatoren. Als Beispiele für übertriebene Vorschriften wird etwa ein abgelehnter Güllebehälter in der Nähe eines Trinkwasserbrunnens genannt.
Die Ausstellung ist Teil einer Kampagne gegen das EU-Lieferkettengesetz. Rechtspolitiker und marktliberale Denkfabriken nutzen den Begriff „Bürokratie“ gezielt, um für Deregulierung zu werben. Friedrich Merz, Mitbegründer des INSM-Förderkreises, posierte bei der CDU-Parteitagsveranstaltung 2024 sogar mit einem „Bürokratie-Schredder“.
Deutschlands Ruf als Bürokratie-Land ist legendär. Allein die Berliner Senatsverwaltung setzt noch immer auf 5.333 Faxgeräte, bei 189 Verfahren ist deren Nutzung sogar zwingend vorgeschrieben. Witze über die Faxgeräte sind allgegenwärtig – ein Symbol für die oft zähen Abläufe im Land. Hinzu kommen unterschiedliche Bauvorschriften in den 16 Bundesländern, die durch uneinheitliche Regelungen für zusätzliche Frustration sorgen.
Doch trotz ihres schlechten Rufs erfüllt Bürokratie eine zentrale Funktion in der Demokratie: Sie begrenzt die Macht von Einzelpersonen, politischen Gruppen und Gerichten. Die Debatte über den richtigen Umfang von Regulierung bleibt umstritten – zwischen Kritikern, die sie als überflüssige Hürde sehen, und Befürwortern, die sie als notwendigen Schutz betrachten.
