Angélica Liddells radikale Performance Seppuku feiert Uraufführung in Wien
Gesa EigenwilligAngélica Liddells radikale Performance Seppuku feiert Uraufführung in Wien
Angélica Liddell hat bei den Wiener Festwochen ihre neueste Performance Seppuku: Die Bestattung Mishimas oder die Lust am Sterben uraufgeführt. Das Werk taucht ein in das Leben und den Tod jener, die sich bewusst für den Freitod entschieden haben. Stark geprägt ist es vom Einfluss des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima auf Liddells Sicht auf Erotik, Schönheit und Tod.
Inspiriert wurde die Performance von einer Frau, die Liddell im Januar 2024 auf Madrider Gran Vía in den Tod springen sah. Die Künstlerin kanalisiert das Leid der Verstorbenen – sogar ihre Kleidung, die einst ihnen gehörte, trägt sie während der Aufführung. An einer Stelle vermischt sie ihr eigenes Blut mit dem eines japanischen Performers und schleudert es auf eine Leinwand.
Liddell inszeniert Mishimas rituellen Selbstmord nach, ein zentrales Motiv der zweistündigen Produktion. Das Stück enthält auch Momente schwarzhumoriger Ironie, etwa wenn ein sich selbst bewundernder Bodybuilder gegen sich entkleidende junge Männer gesetzt wird. Alles gipfelt in ihrer leidenschaftlichen Verteidigung des Suizids als Akt der Selbstbestimmung.
Die Performance verbindet persönliches Trauma, künstlerische Provokation und philosophische Reflexion. Sie konfrontiert das Publikum mit rohen, ungeschönten Ausdrucksformen von Leben und Tod. Wer Liddells Werk erlebt, wird davon nachhaltig geprägt.






